Investitionen bis zu 3,5 Milliarden Euro geplant

Die Stadtverordnetenversammlung Frankfurt (Oder) hat in ihrer Sitzung am 26.03.2026 einstimmig die Voraussetzungen für die Entwicklung eines großflächigen Rechenzentrumsstandorts geschaffen. Die Stadtverordneten haben damit den Weg geebnet für Investionen von bis zu 3,5 Millarden Euro. Entstehen soll das neue Rechenzentrum am Stadtrand von Frankfurt (Oder) an der Bundesstraße 87. Damit positioniert sich die Stadt gezielt als Knotenpunkt für digitale Infrastruktur im deutsch-polnischen Grenzraum.

Der geplante Standort befindet sich im künftigen Industrie- und Gewerbepark an der B87 im Frankfurter Ortsteil Markendorf. Das Areal gehört zu den wenigen verfügbaren Großflächen in Deutschland, die sich für skalierbare Rechenzentrumscluster dieser Größenordnung eignen, und soll in mehreren Bauabschnitten entwickelt werden. Vorgesehen sind insgesamt sechs Module mit einer geplanten Gesamtanschlussleistung von bis zu 350 Megawatt. Hierfür ist ein Anschluss an das 380-kV-Höchstspannungsnetz des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz vorgesehen. Die Gesamtinvestitionen werden im Vollausbau auf bis zu 3,5 Milliarden Euro geschätzt.

Rechenzentren gelten als Schlüsseltechnologie für datenintensive Anwendungen wie Cloud-Services, Künstliche Intelligenz und industrielle Digitalisierung. Gleichzeitig fungieren sie als Ankerinvestitionen, die die Ansiedlung weiterer Unternehmen entlang der digitalen Wertschöpfungskette ermöglichen.

„Der einstimmige Beschluss der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung ist ein starkes Signal für Investoren und Partner. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit der Stadt Frankfurt (Oder) ein skalierbares und energieeffizientes Rechenzentrumscluster zu entwickeln, das technologische Innovation und nachhaltige Standortentwicklung miteinander verbindet. Ich bedanke mich ausdrücklich für die sehr gute Zusammenarbeit.“, sagt Andreas Klemund, Geschäftsführer der Frankfurt Data FFO AI GmbH.

Frankfurts Oberbürgermeister Dr. Axel Strasser sieht in dem deutlichen Votum ein starkes Signal, dass die Stadt und die Stadtverordneten offen sind für innovative Projekte: „Wir wollen Impulse setzen durch neue Unternehmen. Das Projekt hat wirtschaftspolitische Bedeutung für die gesamte Region. Ich danke allen Beteiligten, der Verwaltung, dem Investor Center Ostbrandenburg (ICOB) und den Stadtverordneten für das erfolgreiche Zusammenspiel. Wir haben gezeigt, dass wir mit der Agilität und Dynamik des Vorhabenträgers schritthalten können. 

„Mit dem Beschluss der Stadtverordneten ist nun ein wichtiger Meilenstein erreicht“, so der Oberbürgermeister weiter. „Uns allen ist bewusst, dass noch viele Schritte vor uns liegen, aber wir wollen und müssen dieses Projekt gemeinsam zu einem erfolgreichen Abschluss bringen. Denn Frankfurt (Oder) würde von diesem Rechnungszentrum in mehrfacher Hinsicht profitieren: Diese Ansiedlung eröffnet uns die Chance, dass die Netzbetreiber Frankfurt (Oder) endlich an eine zukunftsfähige Energieversorgung anschließen. Erst dadurch werden weitere Industrieansiedlung bei uns überhaupt erst möglich sein. Es ist außerdem geplant, die Abwärme des Rechenzentrums in unser Fernwärmenetz einzuspeisen, was uns eine klimafreundliche und kostengünstige Wärmeversorgung ermöglicht. Durch das Rechenzentrum könnten 200 bis 300 neue Arbeitsplätze entstehen, und Gewerbesteuereinnahmen wären außerdem zu erwarten.

Die Frankfurt Data FFO AI GmbH und ihr Ansiedlungsprojekt wurden in den letzten Monaten intensiv durch das ICOB, die städtische Wirtschaftsfördergesellschaft, begleitet. Für Christopher Nüßlein, Geschäftsführer im ICOB, war die wechselseitige Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit entscheidend, um die engen Zeitvorgaben einhalten zu können: „Unternehmen brauchen klare Aussagen, um Ihre Standortentscheidungen treffen zu können. Gleichzeitig sind wir auf umfassende Informationen seitens des Unternehmens angewiesen, um diese Aussagen überhaupt ermöglichen zu können. Dieses Zusammenspiel von Geben und Nehmen hat sehr gut funktioniert und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstehen lassen.“

Die weitere Entwicklung des Frankfurter Rechenzentrumscampus erfolgt schrittweise. In den kommenden Monaten stehen die planungsrechtliche Sicherung sowie die weitere Konkretisierung der technischen Infrastruktur im Fokus.

„Ich freue mich ganz besonders über diese Investition in unserer Stadt. Eine Stadtentwicklung ist ohne Rechenpower heute nicht mehr zielführend”, so Dr. André Benedict Prusa, Baudezernent der Stadt Frankfurt (Oder).

Das geplante Projekt fügt sich in die jüngst beschlossene Nationale Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung ein, die einen deutlichen Ausbau der Kapazitäten für Cloud- und KI-Anwendungen vorsieht und den Wettbewerb um geeignete Standorte in Deutschland weiter verschärft. Bis 2030 sollen die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland mindestens verdoppelt, die Kapazitäten für Künstliche Intelligenz und High-Performance-Computing sogar vervierfacht werden. Die Strategie umfasst 28 Maßnahmen die innerhalb der nächsten 12 Monate gestartet und soweit möglich abgeschlossen werden sollen. Geplant ist in diesem Zusammenhang auch die Einführung eines besonderen Zerlegungsmaßstabes für den Gewerbesteuer-Messbetrag bei Rechenzentren, um Standortgemeinden beim ausschließlichen Betrieb von Rechenzentren stärker und gleichmäßiger am Gewerbesteueraufkommen zu beteiligen.